3D-Repliken Kunstobjekte zum Anfassen

In der Regel werden in Museen nur Originale präsentiert. Nun hat das Bremer Focke Museum es gewagt, Repliken zu zeigen. Ermöglicht hat diese Ausnahme die 3D-Drucktechnik. Jetzt können die Besucher des Museums die Objekte sogar anfassen. Dem Museum eröffnen sich so bei Rundgängen von Kindern oder Sehbehinderten ganz neue Möglichkeiten.
Dr. Jens Petersen, der Vorsitzende des Vereins „Wir holen die ,Bremen‘ nach Bremen“, hatte den Wunsch nach einer bestimmten Büste. Im Focke Museum sah er diese Büste des Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld. Dieser war der Initiator des Transatlantikflugs der „Bremen“ von 1928, und damals gemeinsam mit den Piloten der Maschine (Hermann Köhl und James Fitzmaurice) an Bord der Maschine. Hünefelds Büste befindet sich im Foyer des Museums. Dr. Frauke von der Haar, die Direktorin des Museums, war allerdings nicht bereit, das Original herauszugeben, damit Petersen dieses in die „Bremen-Halle“ des Flughafens stellen kann. Deshalb suchte Petersen nach einer bezahlbaren Lösung.

Ein Vortrag brachte die zündende Idee

Petersen hörte sich im Rotary-Club einen interessanten Vortrag über 3D-Drucker an. Danach hatte er eine Idee, auf die sich die Museumsdirektorin Frau von der Haar einließ. Mit einem 3D-Druck wurde eine Replik der Hünefeld-Büste angefertigt, ohne dass die Büste dazu berührt werden musste. – Für einen herkömmlichen Abguss hätte man einige Aktionen durchführen müssen. Für den 3D-Druck wurden in einem einige Stunden dauernden Prozess die Daten eingelesen. Das war für die Büste sehr schonend. Anschließend wurde in der 3D-Manufaktur Seevetal die Replik produziert oder besser gesagt „die Kopien“. Eine kleinere Kopie für das Museum und eine 1:1-Kopie für die „Bremen-Halle“. – Petersens Wunschtraum ist damit in Erfüllung gegangen.

Die Kopie ist keine Abwertung des Originals

Die Kopie ist klar erkennbar eine Kopie. Die Repliken sind nämlich aus einem mit Kupfer umhüllten Kunststoff hergestellt. Das Original selbst ist aus Bronze gefertigt. Der Bildhauer William Fred Engelmann hatte die Büste 1928 in Chicago hergestellt –unter dem Eindruck des historisch spektakulären ersten Flugs von Europa nach Nordamerika.

Taktile Artefakte aus dem 3D Drucker

Um das Museum für sehbehinderte Menschen zugänglicher und erlebbar zu machen, bedient sich die Virginia Historical Society der Hilfe von 3D-Scannern und 3D-Druckern. Die damit erstellten Repliken erlauben es dem Besucher, historische Gegenstände taktil für sich zu erfassen. Das Museum plant eine „taktile Tour“. Die STL-Dateien können Interessierten zur Verfügung gestellt werden, die nicht das Museum besuchen können. Die Kunden können sich die gewünschten Artefakte am heimischen 3D-Drucker selbst ausdrucken.
Die VHS hat in Zusammenarbeit mit dem Virtual Curation Laboratory in Virginia eine ganze Reihe von Artefakten in 3D gescannt. Darunter sind Gegenstände aus dem Bürgerkrieg der USA. Aus den Scans bildeten sie 3D-gedruckte taktile Repliken nach. Blinde Menschen können sich damit durch die Sammlung des Museums „fühlen“.
Immer öfter kommt der 3D-Druck in Museen und im Zusammenhang damit zur Anwendung. Im Irak wurde beispielsweise das im Bürgerkrieg zerstörte Museum in Mossul wiederbelebt. Auch in Italien nutzte ein Museum den 3D-Druck, um Blinde „sehen“ zu lassen – eine wahrlich nützliche Anwendungsmöglichkeit für den 3D Drucker.