3D-gedruckte Prothesen

In der Medizin, vor allem in der Prothetik, kann der 3D-Druck wahre Wunder vollbringen. Er macht Prothesen bezahlbar und insbesondere können sie perfekt an den Einzelnen angepasst werden. Wir können uns darauf freuen, was noch alles in der Medizin mit dem 3D-Druck möglich gemacht werden wird.

Kostengünstige Fuß- und Beinprothesen in Rekordzeit

Das Münchner Startup Mecuris brachte im März 2017 die erste mit einem 3D-Drucker hergestellte Fußprothese heraus, die eine CE-Kennzeichnung erhielt. Diese Version einer Prothese wurde „NexStep“ genannt und ist auch für Kinder erhältlich, unter dem Namen „FirsStep“. „NexStep“ wird auf Grund eines 3D-Scans im Vorfeld maßgeschneidert an die Physiognomie des Patienten angepasst und gedruckt. Sie kann eine maximale Belastung von etwa 8000 Newton aushalten. Der Anpassungsprozess benötigt unter 15 Minuten. Mecuris ist bestrebt die Prothesen zukünftig in 48 Stunden zu versenden. Das wäre eine Rekordzeit, verglichen mit den bisher benötigten zwei Monaten Wartezeit bei der Herstellung herkömmlicher Modelle.
Der Biomedizin-Techniker Marco Avaro aus Italien kaufte 2015 den DeltaWASP 2040 3D-Drucker. Er wollte mit diesem Drucker individuelle Beinprothesen anfertigen. Der große FFF-Delta-Drucker erlaubt es Avaro große Objekte bis zu einem max. Durchmesser von 20 cm und einer Höhe von 40 cm zu erstellen. Dadurch kann er täglich zwei qualitativ hochwertige Beinprothesen herstellen.
Bereits 2014 wurde „Elle“ entwickelt, eine Beinprothese extra für Schwimmer. Auch diese Entwicklung ist dem 3D-Drucker zu verdanken. Della Tosin, damals Studentin am „Art Center College of Design in Pasadena“ Kalifornien, entwickelte die mit einer Flosse aus Silikon ausgestattete Prothese. Mit Hilfe einer speziellen Luftkammer lässt sich die optimale Auftriebskraft einstellen. Mit einem speziellen Hüftgestell wird die Ausdauer des behinderten Schwimmers erhöht. Alle Prothesen können mit dem 3D-Drucker schnell und sehr kostengünstig produziert werden.

Menschen mit Behinderung können auf viele Hilfsmittel aus dem 3D-Drucker hoffen

Aus dem 3D-Drucker gibt es immer neue Hilfen. Greif- und Schreibhilfen erleichtern Rheumakranken den Alltag. Individuell gestaltete Prothesen sollen Betroffene in Zukunft selber herstellen können, wie beispielsweise Transportanhänger für den eigenen Rollstuhl. Die Daten dafür, wie Baupläne oder 3D-Modelle, sind auf einschlägigen Internetplattformen frei verfügbar.
Mit einem besonderen Handschuh können Personen mit einer eingeschränkten Handfunktion Gegenstände wieder selbst greifen und festhalten. Mittels Sensoren an den Fingerspitzen erhöht der Handschuh die Energie seines Anwenders und erlaubt es ihm, Gegenstände ohne fremde Hilfe zu greifen und zu transportieren.
Sehbehinderte Kinder lernen mit neuen extra langen Stöcken spielerisch die Wahrnehmung zu schulen, sodass sie wie selbstverständlich mit einem Langstock mobil sind und sich ihr Bewegungsradius enorm erweitert. Also bewegen sie sich unabhängiger.

Hand- und Armprothesen mit perfekter Funktionalität aus dem 3D-Drucker

YouBionic, ein Startup aus Italien, entwickelte die erste Handprothese aus im 3D-Drucker hergestellten Teilen. Diese Hand verwendet ein intelligentes Computersystem, um die Beweglichkeit der Finger zu erreichen. Signale, gesendet vom Gehirn des Trägers, helfen dabei, mit Muskelentspannung die Hand zu kontrollieren. Die 3D-gedruckte Handprothese kostet aktuell 1.200 Euro.
Es geht auch kostengünstiger! Ryan Bouricius, Physikstudent am Ithaca College, aus den USA entwickelte das Open Source Modell einer Handprothese so funktionell weiter, dass damit Greifen, Ball fangen und Schreiben möglich ist. Der Aufwand für das Material dieser 3D-gedruckten Prothese kostet nur $15.
3D-gedruckte Armprothesen können ebenfalls individuell designed werden. Das lässt besonders außergewöhnliche Modelle entstehen, wie sie Sophie de Oliveira Barata kreiert. Ein Projekt von ihr ist die Armprothese, inspiriert von „Metal Gear Solid“ – dem Computerspiel.
In Kolumbien bekam der kleine 3 Jahre alte José, dem bei der Geburt bereits der rechte Unterarm fehlte, dank e-NABLE eine Armprothese aus dem 3D-Drucker im Iron Man Stil. Durch die nun unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten und coolen ästhetischen Designs können Träger ihre künstlichen Gliedmaßen sicher besser annehmen.